Ein Bummel durch die Stadt
Das Herz der Stadt ist die PIAZZA GARIBALDI.
Der Platz ist durch eine neue Bepflasterung mit Verzierungen aus Flusskieseln und eine moderne Beleuchtungsanlage gekennzeichnet und ist nunmehr das Symbol zwischen Vergangenheit und Zukunft geworden und damit der ideale Ort für den Beginn dieser historisch-kulturellen Route.
Hier steht die Kathedrale, das Symbol der einstigen Macht der Kirche. Der Bischof von Cervia, Francesco Riccamonti, legte 1699 den Grundstein dazu, auf den Glockenturm musste man aber noch bis 1750 warten; der Innenraum präsentiert sich äußerst einfach und streng, enthält aber Gemälde von unvorstellbarer Schönheit. Vor allem das Bildchen der "La Madonna della Neve" (Madonna vom Schnee), eine reizvolle Darstellung der Gottesmutter mit dem Kind; rührend sind die sehr femininen Züge der Madonna und ihre vertraute, sanfte Haltung gegenüber dem kleinen Sohn. Bemerkenswert ist auch der Holzaltar und die zwischen 1566 und 1641 datierte Altartafel mit der Darstellung der Aufnahme Mariens, der die Kirche geweiht ist, in den Himmel. Ebenso interessant ist das Tafelbild des hl. Josef mit dem Kind auf dem Arm, in dem die äußerst "menschliche" Haltung eines Vaters mit dem auf dem Arm eingeschlummerten Kind hervorzuheben ist.
Gleich gegenüber der Kathedrale liegt der PALAZZO COMUNALE, das zwischen 1702 und 1712 nach Plänen von Francesco Fontana errichtete Rathaus. Der unvollendet gebliebene Palazzo umfasst jedoch einen Innenhof, der im Lauf der Jahre in die kleine Piazza Pisacane umgewandelt wurde, auch als "Piazza delle erbe", Kräuterplatz, bekannt, weil er schon immer ein Ort des Austauschs und des Handels war.
Im Inneren des Palazzo, der an allen Werktagen von 8:30 bis 12:30 Uhr für das Publikum geöffnet ist, kann man einige Schaukästen mit historischen Funden aus dem alten Cervia und dem antiken Ficocle in Augenschein nehmen, dazu die Dauerausstellung der Aquarelle von Maceo Casadei.
Eingelassen in die Mauern des Palazzo an der Piazza Pisacane finden wir den merkwürdigen "PIETRA DELLE MISURE", den Maßstein, der alle Maßeinheiten angibt, die zum Zeit der Errichtung der Stadt hier gebräuchlich waren, insbesondere die „quadrella“, den Musterziegel, den Bogen und den Schritt, der zum Abmessen von Stoffen diente.
Von der Piazza aus erreicht man in wenigen Schritten das STADTTHEATER.
Hierbei handelt es sich um ein echtes Juwel der Stadt. Es ist klein und gemütlich und fasst rund 300 Plätze, die auf das Parterre, zwei Logenränge und die Galerie verteilt sind. Es ist vollständig mit rotem Samt ausgekleidet und führt die beste Tradition der Theater des Risorgimento fort. Prächtige Fresken von Giovanni Canepa und Andrea Bellani stellen 12 Mädchen dar, die der Legende nach die schönsten Frauen des damaligen Cervia sein sollen. Von Canepa stammt auch der 1997 restaurierte Vorhang. Er zeigt das Bild Apollos, umgeben von Musen und Nymphen, der nach Cervia segelt, wo er von einem Salzarbeiter empfangen wird, der auf seinem mit Salz beladenen Kahn sitzt.
Vom Theater aus geht man am MAUERGÜRTEL von Cervia entlang weiter.
Und eben der Mauergürtel vermittelt die Idee des rechteckigen Aufbaus der Reißbrettstadt, in der die Mauern durch die Häuser der Salinenarbeiter gebildet werden. Kleine Wohnungen, alle gleich, mit vier Zimmern, einem für jede Familie, unterbrochen durch eine Reihe von Innenhöfen, wo das Brunnenwasser geholt und das Arbeitsgerät untergestellt wird.
Wenn man dem Häusergeviert folgt und wieder in die Via Mazzini eintritt, stößt man auf die kleine SUFFRAGIO-KIRCHE, die 1722 im Auftrag der Bruderschaft vom Allerheiligsten Sakrament erbaut wurde. Herrlich ist das gotische Holzkruzifix von 1330, das die Schmerzensgestalt Christi im Augenblick des Sterbens darstellt und das jedes Jahr im Februar beim Fest der Madonna del Fuoco in Forlì in der Prozession mitgetragen wurde.
In der Suffragio-Kirche kann man weiter die wunderschöne Orgel des venezianischen Orgelbauers Gaetano Callido von 1788 bestaunen, die kürzlich restauriert wurde und im Sommer für glanzvolle Konzerte benutzt wird.
Wenn man dann in Richtung Ravenna über die Brücke geht, gelangt man zu der Kirche, die dem HL. ANTONIUS VON PADUA geweiht ist. Sie wurde 1741 im Auftrag der Franziskanerbrüder der Konventualen Minoriten erbaut und hatte einen sehr schönen Klosteranbau, der später allmählich in Sozialwohnungen umgewandelt wurde. In der Kirche befinden sich schöne Tafelbilder mit der Darstellung der Madonna als Kind und der hl. Anna, die zwei Altartafeln aus dem 17. Jahrhundert und die Holzskulptur des hl. Antonius, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, daneben findet man Votivtafeln (Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert) aus Holz, auf denen Augenblicke des Gnadenerweises abgebildet sind.
Direkt gegenüber der Kirche, auf der anderen Seite des Kanals, sieht man bereits die größten Beispiele der Industriearchitektur von Cervia: die SALZMAGAZINE und den TORRE SAN MICHELE.
Das älteste Magazin, das "Torre", wurde bereits 1691 errichtet, also schon vor der Gründung des neuen Cervia, und war für die Lagerung des Salzes für den Vertrieb bestimmt. Aus der selben Zeit stammt der Torre S. Michele, ein Turm, der Cervia und das Salz gegen potenzielle Feinde vom Meer her schützen sollte. Das Magazin "Darsena" ist jüngeren Datums, von 1712, und auch sein Inneres ist in drei Schiffe und sechs Bogenfelder unterteilt wie eine romanische Kathedrale.
In dem hübschen Garten vor den Salzmagazinen leuchtet ein Brunnen, genannt "IL TAPPETO SOSPESO", der Hängende Teppich, entworfen von Tonino Guerra und 1997, anlässlich des dreihundertsten Jahrestags der Gründung von Cervia, von dem Mosaikmeister Marco Bravura aus Ravenna errichtet. Der Brunnen soll an die Farben der Flora und Fauna von früher erinnern und auch die weißen Salzbrocken, die der Teppich trägt, verweisen auf vergangene Zeiten.
Zum Abschluss unseres Spaziergangs darf ein Besuch im BORGO MARINA entlang des Kanalhafens nicht fehlen, wo der derzeit benutzte Leuchtturm aus dem Jahr 1875 zu sehen ist. Er erreicht eine Höhe von 16,50 Metern und sein Licht ist bis zu 14 Seemeilen weit zu sehen. Wenn man den Borgo Marina am frühen Morgen besucht, ist ein Besuch des charakteristischen Fischmarkts unumgänglich, auf dessen Ständen man die besten Arten der Adria finden kann.